Was dein Preis über dich verrät – und warum günstige Gagen dir langfristig schaden
Es ist Donnerstagabend, du sitzt mit deinem Laptop am Küchentisch. Eine Booking-Anfrage ploppt in dein Postfach. Der Club ist spannend, das Line-up gut, die Location wäre ein echter Traum. Aber das Angebot: 80 Euro plus „Getränke und Bühne“.
Du starrst auf den Bildschirm. „Kann ich das ablehnen?“, „Oder sagt dann nie wieder jemand zu mir Ja?“
Diese Zerrissenheit kennen viele Musiker*innen. Und sie hat Konsequenzen, tiefer, als du vielleicht denkst.
Dein Preis ist nicht nur eine Zahl. Sondern ein Statement. An die Branche, an dein Publikum – und vor allem an dich selbst.
Wenn du dich regelmäßig unter Wert verkaufst, passiert etwas in deinem System:
Du fängst an, deinen Wert mit dem zu verwechseln, was andere bereit sind zu zahlen.
Was dein Preis langfristig beeinflusst
Du wirst seltener für hochwertige Gigs angefragt, weil dein „Preis-Image“ sich herumspricht
Du sabotierst unbewusst deinen Selbstwert: „Ich bin wohl nicht so viel wert wie andere“
Du bekommst das Gefühl, immer kämpfen zu müssen, gegen die Gage, gegen den Markt, gegen dich selbst
So findest du deine echte Gagen-Positionierung
Berechne deine Realität
Was brauchst du monatlich, um von Musik zu leben, inklusive Proben, Technik, Zeit für Social Media, Promo und Booking? Teile diesen Betrag durch eine realistische Anzahl an Auftritten. Das ergibt dein Mindesthonorar. Ohne Romantik, aber mit Respekt.Bleib in der Beziehung, nicht in der Angst
Wenn du ablehnst, bleib verbindlich. Schreib: „Danke für die Anfrage. Aktuell kann ich unter X Euro nicht spielen, weil ich als professionelle Musiker*in xyz einplane. Ich freue mich, wenn wir für zukünftige Projekte in Kontakt bleiben.“Mach Ausnahmen mit System, nicht aus Unsicherheit
Spiele gratis oder günstig, wenn es für deine Sichtbarkeit oder dein Herz Sinn macht. Aber nie aus Angst, sonst nie wieder gebucht zu werden.
Denn dann zahlst du drauf – nicht nur finanziell.
Deine Gage ist Teil deiner künstlerischen Identität. Wenn du möchtest, dass andere deine Arbeit ernst nehmen, musst du sie zuerst selbst ernst nehmen. Nicht überhöht. Nicht verbissen. Aber klar.
Und mit jedem Mal, wo du dich traust, für dich einzustehen, wächst dein Fundament, für eine Karriere als Musiker*in, die dich nicht ausbrennt, sondern trägt.
Liebe Grüße